Rundfunksendestelle Nordkirchen – Deutschlandfunk auf 549 kHz

Ein Beitrag seit Oktober 2010.

Das Gelände des Mittelwellensenders Nordkirchen

Mein Heimatort Nordkirchen ist hauptsächlich für das „Westfälische Versailles“, das Schloss Nordkirchen, in dem die Fachhochschule für Finanzen untergebracht ist, bekannt.

Aus meiner Sicht gibt es jedoch ein weiteres beeindruckendes Bauwerk,  das mit geeigneten Mitteln auch aus der Ferne wahrgenommen werden kann, von den meisten Nordkirchenern jedoch gar nicht mehr beachtet wird.


Abbildungen 1 und 2: Ansicht aus Richtung Osten (Piekenbrock)


Abbildung 3: Ansicht aus Richtung Westen (Ermen)

 Die Rede ist von dem Mittelwellensender Nordkirchen [3], der das Programm des Deutschlandfunks [2] auf der Mittelwellenfrequenz 549 kHz ausgestrahlt.

Mittelwellensender werden vorwiegend zur Versorgung eines lokal begrenzten Gebietes durch Bodenwellen verwendet.
Dabei kann mit leistungsstarken Sendern am Tag ein Gebiet bis 200km Entfernung abgedeckt werden.
Nachts kann ein Empfang mit verminderter Qualität in bis zu 1500 km Entfernung möglich sein.
Dies ist durch die Ausbreitung von Raumwellen möglich.

Die Sendeanlage befindet sich in der Nordkirchener Bauerschaft „Piekenbrock“ auf der Position 51°45’18.57″N, 7°32’18.44″E.
Der „Nord-Ost-Mast“ befindet sich genau auf der Postion 51°45’19.50″N , 7°32’21.55″E; der „Süd-West-Mast“ befindet sich auf der Position 51°45’17.18″N, 7°32’15.39″E und das Betriebsgebäude befindet sich auf der Positon 51°45’23.24″N, 7°32’26.90″E.

Weil mich die Anlage interessiert, habe ich mich sonntags mal auf mein Fahrrad geschwungen und bin hingefahren.

Die Zufahrt kann entweder aus Richtung Osten über einen Feldweg erfolgen oder man fährt aus Richtung Norden von der K2 durch den Wald auf die Anlage zu.


Abbildung 4: Schilder warnen Menschen mit Herzschrittmacher vor dem Betreten des Geländes aufgrund der HF-Strahlung


Abbildung 5: Schild am Eingangstor zum Betriebsgebäude


Abbildung 6: Schild am Eingangstor zum Betriebsgebäude

Die Sendeanlage wird mittlerweile von der MEDIA BROADCAST GmbH betrieben.
Vorher wurde sie von der Deutschen Telekom AG und davor von der Deutschen Bundespost betrieben.

„Die Media Broadcast GmbH mit Sitz ist Bonn ist der größte deutsche Dienstleister für Bild- und Tonübertragungen.
Sie ging aus der T-Systems Media&Broadcast GmbH hervor, die im Januar 2008 von der Deutschen Telekom an die französische TDF-Gruppe verkauft wurde.“ [16]


Abbildung 7: Das Betriebsgebäude ist umzäunt und von einer wilden Hecke umgeben


Abbildung 8: Das Betriebsgebäude ist umzäunt und von einer wilden Hecke umgeben


Abbildung 9: Das Betriebsgebäude ist umzäunt und von einer wilden Hecke umgeben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Externe Abbildung: Das Rack mit dem Mittelwellensender (Quelle: [4] http://www.waniewski.de/MW/Nordkirchen/117151bd0.jpg)

Das oben stehende Foto des eigentlichen Senders kursiert im Internet.

[Abbildung 10 wurde entfernt]

Programmzuführung


Abbildung 11: Zwei große Satellitenspiegel vor dem Betriebsgebäude

Die zwei großen Satellitenspiegel lassen darauf schließen, wie das ausgestrahlte Programm nach Nordkirchen kommt.
Bei zwei Satellitenspiegeln ist davon auszugehen, dass das Programm des DLF über zwei unabhängige Satellitenkanäle empfangen wird, so dass bei einem evtl. Ausfall des einen Kanals noch der andere Kanal zur Verfügung steht. Das NF-Signal beider Satellitenreceiver kann überwacht und so bei einem Ausfall auf den jeweils anderen Satellitenreceiver als Signalquelle umgeschaltet werden. Die Spiegel können im Winter beheizt werden, damit sich kein Schnee absetzen kann und den Empfang behindert.

Es ist davon auszugehen, dass das Signal vor dem Einzug der Satellitentechnik über das Rundfunknetz der Deutschen Post aus der DLF-Sendeanstalt in Köln nach Nordkirchen transportiert wurde. [17]
Hierzu diente eine sogn. 7,5 kHz-Leitung [22]. Hierbei handelte es sich um eine analoge Audioleitung mit einer Audiofrequenzbandbreite von nur 7,5 kHz die für die Übertragung zwischen der Rundfunkanstalt des DLF in Köln und dem Sender in Nordkirchen verwendet wurde. Praktisch liegt eine Leitung vom Sender bis zur Telefon-Ortsvermittlung in Nordkirchen und war dort über höherwertige Systeme als Standleitung nach Köln geschaltet. Parallel zu der Sendeleitung gab es auch Kommandoleitungen.

Die Sendemasten

Die Anlage besteht aus zwei 99,5 m hohen Stahlgittermasten.


Abbildung 12: Der Nord-Ost-Mast, im Folgenden NO-Mast genannt

Bei freistehenden Masten, wie in diesem Fall, wird ein Abspannseil auch Pardune (Plural: Pardunen) genannt.
„Abspannungen mit Pardunen ist immer dann erforderlich, wenn entweder die Festigkeit des Mastes nicht dazu ausreicht, die auftretenden Windlasten zu tragen, oder eine Fundamentierung des Mastes selbst technisch überhaupt nicht möglich ist (etwa weil der Mast zum Erdboden isoliert sein muss).“ [26] Beide Gründe treffen hier zu.
Jeder der beiden Masten ist mit Pardunen in drei Richtungen abgespannt, die von oben gesehen um 120 Grad gegeneinander versetzt sind.
Die Abspannung des Mastes erfolgt auf zwei Höhen. Die untere Abspannung befindet sich etwa auf 4/11 der Gesamthöhe und die obere Abspannung auf 9/11 der Gesamthöhe,
wie man an der abwechselnden rot weißen Lackierung abzählen kann, wenn man davon ausgehen darf, dass jeder Abschnitt in etwa gleich lang ist.
Die oberen und unteren Pardune verlaufen jeweils in die gleichen Richtungen, so dass drei Pardunenfundamente aus Beton pro Mast ausreichen.


Abbildung 13: Der NO-Mast von unten fotografiert

Beide Masten sind äußerlich gleich aufgebaut.
Die Fundamente der Masten selbst sind mit einem Holzlattenzaun eingezäunt.


Abbildung 14: Einzäunung des NO-Mastes

Im Gegensatz zu einem Drahtzaun bietet der Holzlattenzaun den Vorteil, dass sich keine gefährlichen Spannungen im Zaun indzuieren können.
Hier finden sich noch einmal entsprechende Hinweisschilder.


Abbildung 15: Schilder am Zaun warnen zum einen vor der Hochspannung, die der Mast gegenüber Erdpotential führt und zum anderen vor der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung.


Abbildung 16: Zuführung der Hochfrequenz auf den Mast

Unten an jedem der zwei Masten befindet sich ein Häuschen aus Aluminium, ungefähr in der Größe einer Garage, welches das Abstimmmittel beherbergt.
Die Häuschen sind alle paar Zentimeter über verzinkte Stahlbänder geerdet, wie oberhalb der Fundamente der Häuschen zu erkennen ist.
Über das spiralförmige Rohr (links im Bild) wird das HF-Signal auf den Mast geleitet.

Die Spiralform dient nicht zur mechanischen Entkopplung, wie ich zunächst annahm.
Es handelt sich um einen sogn. Blitzschutzspule, auch „Schweineschwanz“ genannt, deren genaue Funktion unter [27] http://www.waniewski.de/MW/Vigra/id296.htm folgendermaßen beschrieben ist:
„Die Blitzschutzspule verhindert, dass ein Blitz, der in den Mast einschlägt, nicht in das Antennen- Abstimmmittel gelangt. Das Prinzip ist auf der Zeichnung rechts zu sehen. Vor und hinter der Blitzschutzspule befindet sich eine Funkenstrecke. Im Fall, dass ein schneller Blitzstrom vom Mast in Richtung Antennenhaus fließt, baut sich durch die Blitzschutzspule eine zusätzliche Spannung auf u = – L di/dt auf. Die Spannung an der Funkenstrecke F1 wird so groß, dass diese zündet und der Blitzstrom über sie abfließt.
Die zweite Funkenstrecke F2 wird deutlich kleiner als F1 eingestellt, um überhöhte Restspannungen zum Überschlagen zu bringen.“

 

 

 

 


Externe Abbildung: Blitzableitungskonzept (Quelle [27]: http://www.waniewski.de/MW/Vigra/ebdc9c80.gif)

Der Blitzstrom, der durch die Spule Richtung Antennenhaus fließt, induziert eine Spannung, die der Ursache entgegengesetzt ist.
Die induziert Spannung ist vermutlich nicht allzu gering, da dt sehr klein und dadurch di/dt groß ist.
Dadurch wird sich die induzierte Spannung zu der Spannung addieren, die durch den Blitz am Mast gegen Erde ansteht und somit den Überschlag an der Funkenstrecke F1 begünstigen.

Die Funkenstrecke F1 ist in Abbildung 16 am Fuße des Mastes zu erkennen. Sie befindet sich zwischen dem „Teller“, der sich wiederum zwischen Isolator und Mast befindet, und der Kugel,
die sich auf dem Fundament befindet und geerdet ist.

Die folgende Abbildung zeigt die Antennenanpassung im Inneren der Häuschen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Externe Abbildung: Abstimmmittel eines Abstimmmittelhauses (Quelle: http://www.waniewski.de/MW/Nordkirchen/11791d960.jpg)

[Abbildung 17 wurde entfernt]

[Abbildung 18 wurde entfernt]


Abbildung 19: Blitzschutzspule, aufgehängt an Isolatoren


Abbildung 20: Abstimmmittelhaus des NO-Mastes von der Zugangsseite

Die folgende Abbildung zeigt, dass die Masten auf Porzellan-Isolatoren stehen, die die Masten gegen die Erde isolieren.


Abbildung 21: Der Mast steht auf einem Porzellan-Isolator, der ihn gegen Erdpotential isoliert.

Komplett gegenüber Erdpotential isoliert ist der Mast dann jedoch auch wieder nicht, da der Mast über eine Spule im Abstimmhaus geerdet ist.
Das bedeutet der Mast ist gleichspannungs-technisch geerdet, aber für hochfrequente Frequenzen, wie die 549 kHz, ist der Mast gegen Erde isoliert.

Durch die rot/weiße Markierung sind die Masten auch aus der Ferne gut zu erkennen.


Abbildung 22: Die Masten sind abwechseln rot und weiß lackiert

Der Weg zu beiden Sendemasten ist sogar mit Straßenlaternen beleuchtet.
Hierdurch ist direkt erkennbar, dass die Anlage in Betrieb ist.


Abbildung 23: Der Weg von der Zufahrt und dem Betriebsgebäude zu den Sendemasten ist mit Straßenlaternen beleuchtet.


Abbildung 24: Rechts ist der Süd-West-Mast, im Folgenden SW-Mast genannt, zu erkennen.

Weitere Informationen

Der Mittelwellensender Nordkirchen wurde 1980 in Betrieb genommen (Quelle: [3]).
Bei der Frequenzplanung des Genfer Wellenplans, der am 23. November 1978 in Kraft trat,
wurde die bisherige Gleichwelle 548 kHz des Deutschlandfunks leicht auf 549 kHz erhöht.
Der Senderstandort in Nordkirchen wurde zu dieser Zeit neu koordiniert (Quelle: [5]).

Anfangs wurde die Sendeanlage, aufgrund ihrer Lage zwischen Recklinghausen und Münster, im Genfer Wellenplan „Recklinghausen“ genannt.
Teilweise wird auch der Name „Münster-Nordkirchen“ verwendet.

Die Mittelwellensender Nordkirchen und Thurnau senden im Gleichwellenbetrieb [14].
Damit ist gemeint, dass beide Rundfunksender auf der gleichen Frequenz senden.
Die Frequenzen beider o.g. Stationen müssen phasenstarr miteinander synchronisiert sein, um Verzerrungen in den Gebieten, in denen die Signale beider Stationen empfangen werden können, zu vermeiden. Dass beide Stationen zudem das gleiche Programm (gleiche NF) senden müssen ist selbstverständlich.

Die Synchronisierung der Sender an beiden Sendestandorten erfolgt mittels GPS.
Das folgende Bild zeigt die GPS-Antenne am Sendergebäude.


Abbildung 25: GPS-Antenne am Sendergebäude

Eine Synchronisierung anhand des Zeitnormals des DCF77-Senders wäre auch möglich.

Im Mittelwellenrundfunk wird der Schallbereich von 30 Hz bis 4500 Hz übertragen.
Dieses führt zu dem bekannten höhenarmen und dunklen Klang [23] .
Im Vergleich dazu:
Das menschliche Ohr kann im besten Fall Klänge von 18Hz bis 20kHz wahrnehmen.
Beim Telefon umfasst der Schallbereich 300 Hz bis 3,4 kHz, bei einer CD-Widergabe 0 bis über 20 kHz.

Der Sender für das Programm des DLF hat eine Leistung von 2x 50 kW.
Wie auch auf obigem Bild zu sehen ist, kommen scheinbar Sender der TRANSRADIO SenderSystemeBerlin [15],
ehemalige TELEFUNKEN SenderSysteme Berlin AG, zum Einsatz.


Externe Abbildung: Sender (Fotos: TRANSRADIO SenderSysteme Berlin AG, Wolfgang Korall)

[Abbildung 26 wurde entfernt]

Das HF-Signal wird mit dickem Koaxial-Kabel vom Sender zum Mast geleitet.
Der Innenleiter wird durch Kunststoffabstandhalter in der Mitte des Kabels gehalten.


Abbildung 27: Koaxialkabel, wie es als Zuleitung zu den Abstimmmittelhäuschen zum Einsatz kommt.

Innerhalb des Gebäudes ist das Koaxial-Kabelals Rohr ausgeführt.


Abbildung 28: Koaxial-Kabel in Rohrausführung

Die Antennenanlage besteht aus zwei gegen Erde isolierten, 99,5 Meter hohen selbstrahlenden Sendemasten.
Informationen zu selbststrahlenden Sendemasten findet man auch unter [24].

Laut Herrn Waniewski [4] ist eine Besonderheit der Maste, „dass sich in den Pardunen jeweils nur ein Isolator befindet.
Damit ergibt sich nicht nur eine große Dachkapazität, sondern auch der Vorteil, dass die Antenne vollständig statisch geerdet ist.
Damit ist die Antenne auch bei Gewittersituationen betriebssicher. “ (Quelle: [4])

Normalerweise müssten die Masten bei einer optimalen Länge von Lambda/4 ca. 136 m hoch sein.
Berechnung:
f = 549*10^3 Hz; Lichtgeschwindigkeit in Bodennaher Luft: c = ca. 299710*10^3 m/s
daraus folgt die Wellenlänge: Lambda=c/f (=) Lambda = 545,92m
Lambda/4 = 136,48m
Um dennoch die gewünschten elektrischen Eigenschaften zu erreichen, werden an der Spitze der Antenne Drähte bzw. Stahlseile als Dachkapazität gespannt. Diese Leiter bewirken eine Kapazität gegen Erde.
„Zur Verringerung der Erdverluste wird in die Erde um den Antennenfußpunkt herum ein strahlenförmiges Netz aus Drähten eingegraben.
Durch die geeignete Wahl der Dachkapazität wird die Höhe der Antenne um einen Wert lc elektrisch verlängert.“ [18]

Die Dachkapzität wird von den Stahlseilen gebildet, die den Mast auch abspannen.
Weil diese Seile mit dem strahlenden Mast verbunden sind, müssen sie ebenfalls von der Erde bzw. den Fundamenten der Spannseile isoliert sein.
Dazu dienen Isolatoren innerhalb der Spannseile (bei Sendemasten heißen die Abspannseile „Pardune“ [26]):


Abbildung 29: Markierung der Isolatoren in den Pardunen

So sieht ein Isolator aus, der sich in den Spannseilen befindet.


Abbildung 30: Isolator aus den Pardunen

Das Netz aus vermutlich verzinkten Stahlbändern liegt unterirdisch und ist nicht zu erkennen.
Die Stahlbänder liegen strahlenförmig um die Masten und laufen am Antennenfußpunkt zusammen.

Doch warum sind die Masten verkürzt?
Man sollte doch meinen, dass es bei einer Höhe von ca. 100 m auf weitere 36 m nicht mehr ankommt?
Denkbar ist, dass so eine Flugsicherheitsbefeuerung [25] gespart werden konnte.
Informationen zum Anschluss der für den Betrieb einer Flugsicherungsbefeuerung notwendig ist, findet man unter [24] und [25].

Der Sender bietet die Möglichkeit ein Rund- oder ein Richtdiagramm zu erzeugen (Quelle: [4]).
Bei dem Richtdiagramm wird das Signal durchgängig in Richtung 200°-270° ausgeblendet (Quelle: [3]).
In der Regel wird der Sender mit Richtdiagramm verwendet.
Bei Wartungsarbeiten, die das Abschalten eines Senders erfordern, kann mit einem Mast nur ein Runddiagramm erezugt werden.
Hier muss ggf. die Leistung reduziert werden, damit andere Sender, die in der Richtung, in der das Signal bei dem Richtdiagramm ausgeblendet wird liegen, nicht gestört werden.
Das Richtdiagramm wird durch einen bestimmten Abstand der Sendemasten und eine Phasenverschiebung beider Sender erreicht.
Bei ca. 230° hat das Richtdiagramm eine Abschwächung von 3-4 dB.

Nach Überprüfung aller Mittelwellensendanlagen aus der Liste bekannter Sendeanlagen bei Wikipedia [9],
die von Nordkirchen aus in Richtung 200°-270° liegen, d.h. in NRW, Belgien und den Niederlanden,
bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass hier das Signal hauptsächlich wegen der beiden Belgischen Mittelwellensender Wavre (621 kHZ) und Overijse (540 kHz) ausgeblendet wird.


Abbildung 31: Ausgeblendete Richtung 200° bis 270°
Bild wurde erstellt mit Google-Earth – http://www.google.de/intl/de/earth/index.html


Abbildung 32: Ausgeblendete Richtung 200° bis 270°
Bild wurde erstellt mit Google-Earth – http://www.google.de/intl/de/earth/index.html

Die rote Linie stellt die Luftlinie Nordkirchen-Overijse, die grüne Linie die Luftlinie Nordkirchen-Wavre dar.
Die blauen Linien markieren den Bereich zwischen 200° und 210°.
Wahrscheinlich müsste bei o.g. Betrachtung noch ein Verzerrung aufgrund der Tatsache, dass die Erde eine Kugel ist, berücksichtigt werden.
Aber für diese relativ geringe Entfernung dürfte die Verzerrung auch nicht allzuviel ausmachen.

DRM:

Die Station in Nordkirchen gehört zu den wenigen in Deutschland, die in der Lage sind, digitale Sendungen (drm) auszustrahlen.
Dafür wurden die Abstimmmittel umgebaut, um die Bandbreite des Systems zu verbessern.
Weitere Informationen hierzu findet man auf den Seiten von Herrn Waniewski [4].

Historie:

Am 5. Juli 2005 strahlte der Deutschlandfunk erste DRM-Tests auf der Mittelwelle Nordkirchen 549 kHz aus.
Als Text message wurde ausgestrahlt: “Telefunken SenderSysteme AG Berlin – DRM Competence” (Quelle: [5]).

In dem Zeitraum vom 6. Dezember 2004 bis zum 15. Mai 2008 wurde das Programm Truckradio auf 855kHz mit einer Leistung von 5kW aus Nordkirchen ausgestrahlt.
Das Sendesignal dazu wurde mit einem zusätzlichen Sender erzeugt und über ein gesondertes Abstimmwerk auf den Nord-Ost-Mast eingekoppelt.

Verborgen hinter dem Zaun steht ein Truck mit einem ausklappb- bzw. ausfahrbaren Stahlgittermast.
Dieser Truck trägt das Logo der Media Broadcast GmbH und wird hier scheinbar geparkt.
Vorstellbar ist, dass der Mast z.B. für den Aufbau von Richtfunkstrecken an anderen Einsatzorten dient.


Abbildung 33: Truck mit mobilem Mast

Zur tiefergehenden Betrachtung der Antennentechnik seien Links [19] und [20] empfohlen.

Wer selber Hörfunk produziert und ausstrahlen möchte, findet unter [21] eine Liste freier MW-Sender und eine zugehörige Preisliste :-).

[Die Abbildungen 34 bis 37 wurden entfernt]

Update 26.05.2014 – Perspektiven

„Nach einem Beschluss der Europäischen Kommission sollte der analoge Rundfunk und damit die Mittelwelle bis Anfang 2012 in allen Mitgliedstaaten abgeschaltet werden.
Dennoch senden auch nach 2012 eine Reihe analoger Sender weiter, da für den technischen Nachfolger DRM bis heute (Stand 2012) neben Empfangslösungen unter Verwendung eines PCs nur ganz wenige tragbare Empfänger verfügbar sind, die jedoch unhandlich sind und einen vergleichsweise hohen Stromverbrauch haben.
Zudem ist (noch) keine ausreichende DRM-Sender-Infrastruktur vorhanden (siehe dazu analoger „switch-off“).
In Deutschland laufen die Frequenzzuteilungen für den AM-Rundfunk allerdings bis zum 31. Dezember 2015.“
(Quelle: [28])

Der Mittelwellensender Nordkirchen sendet im Moment noch nach wie vor analog weiter.

Ein bemerkenswerter Artikel unter [29] lässt jedoch vermuten, dass auch der Mittelwellensender Nordkirchen, je nach Vertragslage voraussichtlich zwischen 2014 und 2016 abgeschaltet wird. Dort wird zusätzlich bemerkt:
„Besonders bemerkenswert ist die Abschaltung der Mittel- und Langwellensender des Deutschlandradios, die in den vergangenen Jahren mit neuer Technik der Firma Transradio (ehemals Telefunken) ausgestattet wurden. Dies geschah mit dem Hintergedanken einer späteren Umstellung auf das digitale Modulationsverfahren DRM (Digital Radio Mondiale), dass sich jedoch u.a. aufgrund technischer Mängel nicht durchsetzen konnte, da es tatsächlich störungsfrei nur im Nahbereich um die Sendetürme funktionierte.“
(Quelle: [29])

Die Entwicklung in diesem Bereich bleibt auf jeden Fall spannend.

Update 29.12.2015 – Bevorstehende Abschaltung

Nun ist es leider so weit:
Seit Ende November/Anfang Dezember wird folgende Ansage kurz vor jeder vollen Stunde durchgegeben.

„Deutschlandfunk – Die Ausstrahlung unseres Programms auf dieser Frequenz endet am 31. Dezember.
Deutschlandfunk können Sie über UKW, Kabel, Digitalradio und im Internet hören.
Frequenz- und Programminformationen finden Sie im Videotext von ARD und ZDF, sowie im Internet unter digitalradio.de und deutschlandradio.de.“

Diese Information wird ausschließlich für die Mittelwelle in das Programm geschnitten und dem/den Mittelwellensender(n) zugeführt.
Die Links [30] bis [32] beschäftigen sich ebenfalls mit der Abschaltung der Mittelwelle.

Ich werde die Zukunft der Anlage weiterhin gespannt beobachten.

Update 01.01.2016 – Abschaltung am Silvesterabend, den 31.12.2015

Als Fan des Nordkirchener Mittelwellensenders kam ich natürlich nicht drum herum, ein Mittelwellenradio mit zur Silvesterparty zu nehmen.
Ich habe es um ca. 23:45 eingeschaltet. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine aus meiner Sicht „fürchterliche“ synthetische Melodie gesendet.
Um ca. 23:50 oder 23:51 wurde der Sender dann abgeschaltet: Schweigen.
Schade, dass der Deutschlandfunk sich in seinem Programm nicht von seinen Mittelwellenhörern verabschiedet oder ein spezielles Feature gesendet hat.

Update 13.04.2016 – Neuer Weblink

Am 09.04.2016 wurde die Sendeanlage von einer Gruppe von Funkamateuren besichtigt.
Bilder davon findet man unter dem Link [33].

Update 05.05.2016 – Feature zur Abschaltung / Pausenzeichen des DLF

Mittlerweile habe ich erfahren, dass es doch ein spezielles Programm zur Abschaltung der Mittelwelle gab.
Dieses lief jedoch schon in den frühen Abendstunden und ich habe es schlicht verpasst.
Bei der von mir genannten „synthetischen Melodie“ handelt es sich um das Pausenzeichen des DLF.
Ein Pausenzeichen ist ein akustisches Signal zwischen zwei Hörfunksendungen, das die Unterbrechung überbrücken soll und auch der Sendererkennung dient.

Update 05.09.2016 – Die Sendemasten aus der Vogelperspektive

Bei einem Hubschrauber-Rundflug am 27.08.2016 konnten die Sendemasten auch aus der Vogelperspektive fotografiert werden.

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Abbildung 38: Die Sendemasten aus der Vogelperspektive

Update 28.01.2018 – Neue Rechercheergebnisse

2013 wurde im Rat der Gemeinde Nordkichren über Änderungen des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Nordkirchen zur Ausweisung von Konzentrationszonen für Windenergieanlagen diskutiert.
In der Sitzungsvorlage [35] wurde der Einfluss von Windkraftanlagen auf die Abstrahlung des Mittelwellensenders diskutiert.
Ein Gutachten der Technischen Universität Aachen zeige, dass der Einfluss auf das Abstrahlverhalten zu vernachlässigen sei.
Der Antennenkonstellation wird eine vorwiegend nach Nordosten gerichtete Abstrahlung attestiert.

Ein weiteres tolles Fundstück ist der Artikel unter [35] „Babylonisch für Deutschland und Europa – Der Deutschlandfunk: Sender, Studios und Programme“.
Es handelt sich um einen Bericht von Lutz Findeisen und Henning Kriebel in der ELO 1980 Heft 12.

1980 stand dem DLF tagsüber eine Gesamtsendeleistung von 3.151kW zur Verfügung.
Davon entfielen 750kW auf zwei Frequenzen im Langwellenbereich und 2.400kW auf sechs Mittelwellensender mit vier Frequenzen.
Ein Kilowatt entfiel auf einen UKW-Sender im Raum Bonn. Die Sender wurden damals alle bei der Deutschen Bundespost gemietet.
Es fielen für alle Sender zusammen 30 Millionen DM Senderkosten und knapp 3 Millionen DM Leitungsgebühren für den Transport der NF vom Funkhaus zum Sender über Fernmeldeleitungen an.

Zur Konzeption auch des damaligen Senders in Nordkirchen heißt es unter [35]:
„Auch im Mittelwellenbereich wurde man bei der Post aktiv. Bei Thurnau in Oberfranken entstand für die Frequenz 549kHz eine vollkommen neue Senderanlage. Im Gegensatz zur Langwellenkonzeption wird hier mit einer sogenannten passiven Reserve gearbeitet. Das heißt nichts anderes, als daß zwei komplette Sender voller Leistung – in diesem Fall 100kW – vorhanden sind, von denen jeweils nur einer Betrieb macht. Der andere wird im Störungsfall über eine Ablöseautomatik innerhalb von ein paar Sekunden hochgefahren und auf den Strahler – die Antenne – geschaltet. Auch in diesem Fall merkt der Hörer kaum etwas von einem Ausfall. Eine Senderanlage gleichen Typs und gleicher Leistung entsteht im Moment in Nordkirchen im Münsterland.[…]“

Zunächst sei in Nordkirchen bis zur Lieferung des ersten Senders durch die Fa. AEG-Telefunken mit einem militärischen Sender gesendet worden.
1980 haben lediglich die beiden Sendemasten schon in ihrer endgültigen Konzeption gestanden.
Es handele sich um zwei Sendemasten, da aus Nordkirchen nicht rundgestrahlt werden dürfe, weil ein belgischer Gleichwellenbenutzer eine Ausblendung nach Westen verlange.
Deshalb stehe dem eigentlichen Sendemast ein Reflektormast im Weg und reduziere in dieser Richtung die abgestrahlte Hochfrequenzleistung.

Nicht ganz hundert Meter seien die Masten hoch. Die sei eigentlich zu wenig, um ideal an die Sendefrequenz angepasst zu sein, aber so könne man auf die Mastbefeuerung zur Flugsicherung verzichten.

Durch die Abstimmmittel im Häuschen am Fuße des Antennenmastes werde die Antenne auf die vom Sender geforderten 50 Ohm terminiert.
Im Gegensatz zu einem früheren Wirkungsgrad von 40% könne dieser Sender mit einem neuartigen Konzept 70% Wirkungsgrad erreichen.

Update 18.03.2018

Wie einem Artikel [36] zu entnehmen ist, der am Donnerstag, den 15.03.2018 im Lokalteil der Ruhrnachrichten erschien, naht der Abriss der Nordkirchener Mittelwellensender-Masten:
Der Abriss solle entweder am Mittwoch, den 21.03. oder am Donnerstag, den 22.03.2018 geschehen.
Die Überschrift des Artikels „Radio- und Fernsehmasten – Sendemasten in Nordkirchen werden abgerissen“ zeigt eine gewisse Unkenntnis des Verfassers, denn als Fernsehmast haben die beiden rot-weiß lackierten selbststrahlenden Masten nie gedient.
„Rund 50 Jahre lang haben die beiden Stahlmasten, die in Richtung Ottmarsbocholt auf einer Wiese am Waldrand stehen, das Bild von Nordkirchen mitgeprägt.“ [36] heißt es in dem Artikel.
Nach meinem Kenntnisstand sind die Masten 1980 errichtet worden, damit standen sie lediglich knapp 40 Jahre, genau genommen 38 Jahre lang in der Bauerschaft Piekenbrock.

Update 20.03.2018 – Goodbye Mittelwellensender Nordkirchen Teil 1

Am 20.03.2018, einen Tag vor dem bevorstehenden Abriss der Sendemasten, wurden die Abstimmhäuschen entfernt und verschrottet.
Im Folgenden einige Impressionen davon.


Abbildung 39: Das Abstimmhäuschen am NO-Mast wurde von seinem Fundament entfernt


Abbildung 40: An jedem der beiden Abstimmhäuschen kamen zwei große HF-Koaxial-Kabel und eine Vielzahl an Versorgungs- und Steuerleitungen an.


Abbildung 41: Das zweite HF-Koaxialkabel, das durch das Fundament des Abstimmhauses am NO-Mast kommt.


Abbildung 42: Im Fundament jedes Abstimmhäuschens verläuft eine Nut, in der die Leitungen verlegt waren


Abbildung 43: Hier erkennt man den Fuß des NO-Mastes. Das Fundament ist mit Kupferblech verkleidet.

Das Fundament des Mastes ist mit Blech verkleidet. In der Mitte steht der Porzellan-Isolator auf einer Kupferplatte.
Auf dem Isolator liegt eine runde Scheibe, auf der der Mast steht. Links ist die Kugel der Funkenstrecke erkennbar.


Abbildung 44: Erkennbar ist der Flansch, an dem die Hochfrequenz eingespeist wurde. Das Rohr wurde abgeschnitten.


Abbildung 45: Der NO-Mast in der Dämmerung mit Blitzlicht fotografiert.


Abbildung 46: Fundament, Isolator, Funkenstrecke und Flansch zur HF-Einspeisung am SW-Mast. Im Hintergrund ein großer Container für den Schrott.


Abbildung 47: Flugzeug mit Kondensstreifen über dem SW-Mast


Abbildung 48: SW-Mast mit Mond. Im Vordergrund die Pardune des NO-Mast.


Abbildung 49: Meine letzte Komplettansicht des Mittelwellensenders Nordkirchen

Update 21.03.2018 – Goodbye Mittelwellensender Nordkirchen Teil 2

Am Mittwoch, den 21.03.2018 etwa gegen 10:00 Uhr Ortszeit sollten die Sendemasten fallen.
Leider konnte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Urlaub bekommen, um dem Spektakel beizuwohnen.
Dem Vernehmen nach waren ca. 15 Zuschauer vor Ort, zu denen die Information über den Abriss durchgedrungen war.
Auch der Nordkirchener Bürgermeister Dietmar Bergmann soll kurzfristig vor Ort gewesen sein.

Direkt nach der Arbeit bin ich dann zum Senderstandort gefahren und habe folgendes Szenario vorgefunden:


Abbildung 50: Gesamtansicht der Wiese am Senderstandort. Die Masten sind zwischen ihren ursprünglichen Standorten parallel in die Mitte zusammen gefallen.


Abbildung 51: Die Umzäunung des nordöstlichen Pardunenfundamentes des NO-Mastes wurde in die Richtung des Mastes geöffnet.


Abbildung 52: Die Befestigung am Pardunenfundament, an der die beiden auf unterschiedlichen Höhen am Mast angebrachten Pardunen befestigt waren, wurde mit einem Schneidbrenner abgetrennt, so dass beide Pardunen gleichzeitig frei waren.


Abbildung 53: Der NO-Mast kippte nach Südwesten weg. Die gelösten Pardunen durchschlugen den Bretterzaun, der den Mast umgab.


Abbildung 54: Der Isolator, auf dem der NO-Mast stand, hat den veränderten Kraftverhältnissen beim Kippen des Mastes nicht stand gehalten.


Abbildung 55: Auf der Oberfläche des Porzellan-Isolators befindet sich der Aufdruck „Mechanisch geprüft 550t“.


Abbildung 56: Die anderen um jeweils 120° versetzten Pardunen brauchten nicht durchtrennt werden. Sie waren lang genug, damit der Mast fallen konnte.


Abbildung 57: Hier erkennt man die Abspannung der Pardunen. Es ist anzunehmen, dass die zusätzlichen Haltebübel rechts und links daneben zum Abspannen beim Aufbau oder bei Wartungen vorgesehen sind.


Abbildung 58: Der Fuß des NO-Mastes liegt nun auf dem Fundament des Abstimmhäuschens.


Abbildung 59: Blick vom Mastfuß in den liegenden Mast. Unten sind die Sprossen der Wartungsleiter erkennbar. Darauf befindet sich eine Sicherungsschiene.


Abbildung 60: Glied aus einer Pardune, in dem sich ein Pozellan-Isolator und befand.


Abbildung 61: In diesem Bild fehlt an der linken Seite zwischen den beiden „Hufeisen“ der Porzellan-Isolator, der sich in der Pardune befand.
Gut erkennbar ist die Funkenstrecke zur Ableitung von Blitzen über den Porzellan-Isolator hinweg über die Pardune und das Fundament ins Erdreich.


Abbildung 62: Erste Zwischenebene im Mast im Bereich der unteren Abspannung.


Abbildung 63: Eine Laterne hat es beim Abriss der Masten erwischt. Vermutlich hat sie eine Pardune abbekommen.


Abbildung 64: Auch am Boden hat der Mast beeindruckende Ausmaße. Der Flurschaden hält sich in Grenzen.


Abbildung 65: Durch Torsionskräfte ist der Stahl des Mastes an dieser Stelle gebrochen.


Abbildung 66: Eine Pardune hat es regelrecht in den weichen Boden „gepeitscht“.


Abbildung 67: Die obere Abspannung des NO-Mastes.


Abbildung 68:  Links in rot die Spitze des NO-Mastes. Rechts in weiß der untere Teil des SW-Mastes.


Abbildung 69: Auch am Pardunenfundament der südwestlichen Abspannung des SW-Mastes, wurde der Zaun in Abspannrichtung entfernt.


Abbildung 70: Das geöffnete Areal um das Pardunenfundament


Abbildung 71: Auch hier ist erkennbar, dass die Stahlplatte, an der die Pardunen befestigt waren, mit einem Schneidbrenner durchtrennt wurde.


Abbildung 72: Auch auf dem SW-Fundament finden sich abgeplatzte Porzellanstücke vom Isolator.


Abbildung 73: Auch der Mastfuß des SW-Mastes liegt auf dem Fundament seines Abstimmhäuschens.


Abbildung 74: Hier noch einmal die Isolatoren in einer Pardune.


Abbildung 75: Isolatoren aus einer Pardune. Dazwischen die Funkenstrecke.


Abbildung 76: Aufdruck auf einem Pardunenisolator „Rosenthal technik“


Abbildung 77: Aufdruck auf einem Pardunenisolator „Rosenthal technik 8-79“

Porzellan-Kenner werden die Marke Rosenthal kennen.


Abbildung 78: Gesamtansicht aus SW. Im Hintergrund des Sendergebäude.

Mein Cousin Tobias war beim Abriss vor Ort und hat mir freundlicherweise die folgenden beiden Videos zur Verfügung gestellt.

Zwei weitere Videos von einem anderen Zuschauer finden sich ebenfalls bei Youtube (siehe Quelle [37] und [38]):

Update 19.06.2018 – Modulation und HF-Verstärkungsverfahren

Obwohl die Sendemasten mittlerweile leider Geschichte sind, möchte ich an dieser Stelle noch kurz einige Informationen zur Modulation und zum HF-Verstärkungsverfahren darstellen.

Verwendet wird ein sinusförmig verlaufender Träger. In diesem Fall der Rundfunksendestelle Nordkirchen handelt es sich um eine Trägerfrequenz von 549 Hz.
Diesem Träger wird das Nachrichtensignal (Modulierzeichen) aufmoduliert. Das Nachrichtensignal beeinflusst die Amplitude des Trägers. Im Rundfunk, so auch beim Mittelwellensender Nordkirchen, wird vorwiegend die Zweiseitenbandamplitudenmodulation (DSB, engl.: double side band) verwendet. Diese Modulationsart wird oft auch einfach als AM für Amplitudenmodulation bezeichnet.

Im Gegensatz zur Einseitenbandmodulation (SSB, engl.: single side band), die im Amateurfunk auf Kurzwelle verbreitet ist und bei der der Träger und ein Seitenband unterdrückt sind, sind bei der Zweiseitenbandmodulation sowohl der Träger als auch das obere (USB, engl.: upper side band) und untere Seitenband (LSB, engl.: lower side band) vorhanden.
Ein Seitenband belegt mindestens die Bandbreite des Modulierzeichens.
Die NF-Bandbreite ist im Mittelwellenrundfunk auf 4,5 kHz begrenzt. Folglich belegt ein Sender eine HF-Bandbreite von 2 x 4,5 kHz = 9 kHz.
In beiden Seitenbändern ist die gleiche Information des Modulierzeichens enthalten. In einem Seitenband liegt dieses phasenverkehrt (beim Rundfunk im LSB) zum anderen Seitenband (beim Rundfunk USB) vor. Man kann auch sagen, dass das untere Seitenband dem an der Trägerfrequenz gespiegelten oberen Seitenband entspricht.
Damit wird zwar bei der Zweiseitenbandmodulation mehr HF-Bandbreite belegt und mehr Energie benötigt, als eigentlich notwendig wäre, um das Nachrichtensignal zum Hörer zu transportieren, aber die Vorteile überwiegen in der Art des Empfängers. Zum Empfang der Zweiseitenbandmodulation können relativ einfache und günstige Hüllkurvendemodulatoren eingesetzt werden, während zur Demodulation der Einseitenbandmodulation Produktdemodulatoren erforderlich sind.

Der Modulationsgrad m ist das Verhältnis der Amplitude des Nachrichtensignals a zur Amplitude des unmodulierten Trägers A: m = a/A. Dabei kann der Modulationsgrad Werte zwischen 0 und 1 annehmen. Wird die Trägerschwingung mit einem sinusförmigen Nachrichtensignal moduliert, so hat die Trägerschwingung eine relative Amplitude von 1m, während die Seitenbänder jeweils eine relative Amplitude von 0,5m haben.

Nach [39], Seite 15 beträgt die vom Sender über die Periodendauer des Modulierzeichens abgestrahlte HF-Leistung P = [1 + (m2 / 2)] x PC , wobei PC die im Träger und (m2 / 2) x PC, die in beiden Seitenbändern zusammen enthaltene Leistung darstellt.
Man erkennt, dass die im Träger enthaltene Leistung unabhängig vom Modulationsgrad ist.
Die in den Seitenbändern abgestrahlte Leistung hingegen beträgt bei einem Modulationsgrad von 100% nur 33% der abgestrahlten Gesamtleistung und bei m < 0,5 ist die in den Seitenbändern enthaltene Leistung kleiner 11%.

Diesem ungünstigen Verhältnis zwischen der im Träger und in den Seitenbändern enthaltenen Energie begegnet man, indem die Trägeramplitude bei geringer oder keiner Aussteuerung reduziert wird. Dieses Verfahren wird DAM (dynamikgesteuerte Amplitudenmodulation) genannt.
Wird die Trägeramplitude kleiner, so wird der Modulationsgrad größer.

vgl. [39], Seiten 11 bis 16

Um einen möglichst hohen Wirkungsgrad in der HF-Endstufe zu erreichen, wird die Pulsdauermodulation PDM verwendet. Bei Telefunken wird dieses Verfahren PANTEL (Puls-Dauer- Anodenmodulation-Telefunken) genannt. Erreichbar sind damit Wirkungsgrade von > 90%.
Das Verfahren entspricht im Wesentlichen dem von Klasse-D-Verstärkern, die man z.B. von NF-Verstärkern kennt.
Das modulierende Signal (NF) wird an einem Komparator mit einem Dreiecksignal verglichen.
Am Ausgang des Komparators erhält man eine Rechteckspannung, deren Tastverhältnis eine Funktion des NF-Signals darstellt. Das Tonsignal liegt somit als Tastverhältnis des pulsweiten modulierten Signals vor.
Aufgrund des Abtasttheorems muss die Schaltfrequenz (Frequenz des Rechtecksignals) wesentlich höher sein, als die höchste zu übertragende Signalfrequenz.
Anschließend werden durch Filterung mit einem Tiefpass die schaltfrequenten Anteile der verstärkten Spannung unterdrückt. Diese Spannung dient als Versorgungsspannung für die nachfolgende HF-Leistungsendstufe und zur Bildung der Hüllkurve.
Der HF-Leistungsverstärker ist ebenfalls als Schaltverstärker aufgebaut.
Er schaltet die von vom PDM-Verstärker kommende Versorgungsspannung im Takt der Hochfrequenz.
Die Verlustleistung wird bei den Schaltverstärkern dadurch vermieden, dass die Transistoren (bei alten Sendern meinetwegen auch die Röhre) geschaltet (Schaltverstärker) und nicht im Linearbetrieb betrieben wird.
Die Verlustleistung an dem Transistor ergibt sich als Produkt aus der am Transistor anliegenden Spannung und dem durch den Transistor fließenden Strom.
Ist der Transistor aufgesteuert, liegt an ihm eine kleine Spannung an und es fließt ein hoher Strom.
Ist der Transistor hingegen gesperrt, liegt an ihm eine große Spannung an und es fließt ein kleiner Strom. Die an ihm entstehende Verlustleistung ist also gering, während im Linearbetrieb viele Zwischenzustände existieren, die zu Verlustleistung führen.

Vgl. [39], Seiten 20 bis 23

Update 04.07.2018 – Historische Fotos


Abbildung 79: Schranke an der Einfahrt des Geländes zu Zeiten der Deutschen Bundespost


Abbildung 80: Die verzinkten Bandeisen des Erdnetzes laufen ringsum des Fundamentes zusammen


Abbildung 81: Die verzinkten Bandeisen des Erdnetzes laufen ringsum des Fundamentes zusammen


Abbildung 82: Hilfskonstruktion beim Aufbau der Masten


Abbildung 83: Provisorische Abspannung beim Aufbau der Masten

Weblinks und Quellenangaben:

[1]
Wikipedia – Deutschlandfunk
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschlandfunk

[2]
Website des Deutschlandfunk
http://www.dradio.de/dlf

[3Wikipedia – Mittelwellensender Nordkirchen
http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelwellensender_Nordkirchen

[4]
http://www.waniewski.de – Nordkirchen
http://www.waniewski.de/MW/Nordkirchen/index.htm

[5]
http://www.biener-media.de
http://www.biener-media.de/0549-NW.html

[6]
http://www.elo-web.de
http://www.elo-web.de/elo/radio-roehrentechnik/retro-radio/mittelwellensender-nordkirchen#
Leider nur nach vorheriger Anmeldung zu lesen

[7]
You Tube – Video
http://www.youtube.com/watch?v=kgGEf8BtgM8

[8]
Wikipedia – Liste von Sendeanlagen in NRW
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Sendeanlagen_in_Nordrhein-Westfalen

[9]
Wikipedia – Liste von Sendeanlagen
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bekannter_Sendeanlagen

[10]

Willkommen auf www.senderfotos.de


http://www.senderfotos.de/

[11]
http://www.infosat.de – DRM-Tests aus Nordkirchen
http://www.infosat.de/Meldungen/?msgID=15996
29.05.11: Der Link funktioniert nicht mehr!

[12]
http://liebl-net.dtdns.net – Erfahrungsbericht zum Franzis-Retroradio und die Probleme mit dem Nordkirchener Sender
http://liebl-net.dtdns.net/hard/retro-radio/retro-radio.php

[13]
Geocach in der Nähe der Sender (auf http://www.geocaching.com)
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?guid=32d7238a-7d66-4bab-934f-df8a8d48beb8
29.05.11: Der Cache wurde deaktiviert!

[14]
Wikipedia – Gleichwellenbetrieb
http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichwellenbetrieb

[15]
TRANSRADIO SenderSystemeBerlin
http://www.broadcast-transradio.com/

[16]
Wikipedia – Media Broadcast
http://de.wikipedia.org/wiki/Media_Broadcast

[17]
www.radioforen.de – Rundfunkleitungen
http://www.radioforen.de/showthread.php?42030-Welche-Bandbreite-hatten-damals-die-Leitungen-der-Deutschen-Post

[18]
Wikipedia – Dachkapazität
http://de.wikipedia.org/wiki/Dachkapazität

[19]
Wie kommt eine Radiowelle in die Luft?
http://members.aon.at/wabweb/radio/antenne1.htm

[20]
Rundfunk-Sendeantennen im Lang-, Mittel- und Kurzwellenbereich
http://members.aon.at/wabweb/radio/antenne2.htm

[21]
MEDIA BROADCAST -> Analoge Hörfunknetze -> Mittel- und Langwelle
http://www.media-broadcast.com/hoerfunk/analoge-hoerfunknetze/mittel-und-langwelle.html

[22]
Broadcast Engineering and Training
http://www.bet.de/Lexikon/Begriffe/75khzleitung.htm

[23]
Wikipedia – Bandbreite
http://de.wikipedia.org/wiki/Bandbreite#Audiotechnik

[24]
Wikipedia – Selbststrahlender Sendemast
http://de.wikipedia.org/wiki/Selbststrahlender_Sendemast

[25]
Wikipedia – Flugsicherheitsbefeuerung
http://de.wikipedia.org/wiki/Flugsicherheitsbefeuerung

[26]
Wikipedia – Pardune
http://de.wikipedia.org/wiki/Pardune_%28Funk%29

[27]
http://www.waniewski.de – Vigra
http://www.waniewski.de/MW/Vigra/id296.htm

[28]
Wikipedia – Mittelwellenrundfunk
http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelwellenrundfunk

[29]
http://radioszene.de – Düstere Zukunft: 2015 stirbt die Mittelwelle
http://www.radioszene.de/55530/2015-stirbt-die-mittelwelle.html

[30]
http://www.rettet-unsere-radios.de/10.html
http://www.rettet-unsere-radios.de/10.html

[31]
http://www.deutschlandfunk.de
http://www.deutschlandfunk.de/abschaltung-mittelwelle.2571.de.html

[32]
http://www.deutschlandfunk.de
http://www.deutschlandfunk.de/bedeutung-der-mittelwelle-erfindung-mit-reichweite.761.de.html?dram:article_id=340119

[33]
http://www.dj4ch.de
http://www.dj4ch.de/abschaltung-des-deutschlandfunks-am-31-12-2015.html

[34]
http://www.nordkirchen.info – Planungsangelegenheiten – Sitzungsvorlage 059/2013
https://www.nordkirchen.info/buergerinfo/getfile.php?id=3795&type=do&

[35]
http://www.hifimuseum.de
http://www.hifimuseum.de/ueber-den-deutschlandfunk.html

[36]
Ruhrnachrichten – Sendemasten in Nordkirchen werden abgerissen
https://www.ruhrnachrichten.de/Nachrichten/Sendemasten-in-Nordkirchen-werden-abgerissen-1266164.html

[37]
Youtube – Abriss Mittelwellensender Nordkirchen Mast 1
https://www.youtube.com/watch?v=9OqdH24th6k

[38]
Youtube – Abriss Mittelwellensender Nordkirchen Mast 2
https://www.youtube.com/watch?v=uhEahwAVfZs

[39]
Dipl.-Phys. Werle, Horst [Hrsg.]: Technik des Rundfunks, Technik der Systeme, Rundfunkversorgung. Heidelberg: R. v. Decker’s Verlag, 1989.
(Technik der Telekommunikation; Bd. 15)
ISBN 3-7685-0389-5

One thought on “Rundfunksendestelle Nordkirchen – Deutschlandfunk auf 549 kHz

  • 5. Januar 2016 at 17:04
    Permalink

    Hallo Matthias,

    vielen Dank für diesen SUPER-Beitrag über den Sender Nordkirchen, der ja leider jetzt schweigt. Ich habe selten derartig exakt geschriebene Artikel im Hobbybereich gelesen. Der Beitrag kommt ja schon einer Mini-Dissertation nahe. Genaue Quellenangaben, passende Bildunterschriften etc. Das wäre etwas für den Funkamateur, Funktelegramm oder CQ-DL. Auch Deine Seite ist exzellent!
    Die „synthetische Melodie“ war das Pausenzeichen des „Deutschlandfunks“ (DLF).
    Entnommen wurde es damals aus der Volksweise „Ich hab‘ mich ergeben mit Herz und mit Hand“. Das Pz entspricht der Liedzeile „…dir, Land voll Lieb‘ und Leben…“. Siehe Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=XZ2MMsej2GM
    Wer die letzten 8 Minuten des DLF und des Senders Nordkirchen noch einmal miterleben möchte:
    Hier mein bei Youtube hochgeladenes Video – aufgenommen mit dem PERSEUS SDR
    https://www.youtube.com/watch?v=RD7nUgdYZ9I

    vy73 aus Altenberge

    Christian DJ4CH

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